5. Juni, Dürnau
Mühlhofen. Der Count Down läuft. Nur noch eine Woche bis zu meinem Empfang in meiner Heimatgemeinde Altheim. In Begleitung meiner Schwester Regina und meiner Neffen Dominik und Julian, radeln wir Richtung Allgäu. In Unterankenreute (RV) werden wir von meiner Freundin Helga erwartet. Die ganze Familie, Freunde und Nachbarn sind gekommen, um einen lustigen Grillabend zu verbringen. Zwei Tage später erreiche ich Bad Waldsee, wo wieder schwäbisch gesprochen wird. Am 3. Juni betrete ich meinen Landkreis Biberach. In dieser vertrauten Landschaft, tauchen Heimatgefühle auf. Eine ausgedehnte Mittagspause verbringe ich gemütlich bei der Familie Heidi Huber in Winterstettenstadt. In Wattenweiler begrüßen mich meine ehemalige Arbeitskollegin Hannelore und ihr Mann Wolfgang. Zum Frühstück werde ich mit selbstgebackenem Brot verwöhnt. Gemeinsam mit Hannelore radle ich nach Bad Schussenried, wo uns Rita, unsere frühere Arbeitskollegin, zum Kaffee und Kuchen eingeladen hat. Abends begleitet mich Ritas Sohn Klaus bis nach Bad Buchau. Die Heimatgefühle verstärken sich. Acht Jahre lang bin ich diese Strecke zu meinem Arbeitsplatz geradelt. Meine Freundin Margret und ihr Lebensgefährte Günter stehen erwartungsvoll vor dem Haus. Mustafa, ein guter Freund von mir, kommt dazu. Feucht fröhlich feiern wir unser Wiedersehen. Freitag radle ich mit Margret zu meiner letzten Tourstation Dürnau. Dort sitzt meine ehemalige Arbeitskollegin Mireille schon auf Kohlen, weil wir uns verspätet haben…

Bei allen Gastgebern, bei denen ich auf meiner 2-monatigen Deutschlandtour, Station machen durfte, möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Ich habe mich über unser Wiedersehen sehr gefreut und mich in jedem Haus sehr wohlgefühlt. Vor allem habe ich die gemeinsame Zeit des Redens sehr genossen. Vielen Dank!


15. Juni, Altheim (wieder Zuhause) (Tour-Ende mit 44 561 Km)
Dürnau. Am 7. Juni ist es dann soweit. Ziemlich nervös, schwinge ich mich um 6.30 Uhr, ein letztes Mal auf mein schwerbepacktes Fahrrad "Shanti". Die letzten 16 Kilometer radle ich langsam meinem Heimatort Altheim entgegen. Die frische Waldluft atme ich intensiv ein. Auf Anhöhe überblicke ich bekannte Dörfer. Altheim erkenne ich sofort am Kirchturm. Aufgeregt radle ich weiter. Auf der Donaubrücke zwischen Neufra und Altheim, radelt mir mein Neffe Johannes entgegen. Als ich über den Donausteg radle, tauchen sofort Erinnerungen von meiner Abfahrt auf. Über diese Brücke verließ ich am 12. Mai 2002 meinen Heimatort und zog hinaus in die große weite Welt. Überraschend erwarten mich mein Vater, meine Schwester Regina und meine Cousine Rosemarie zum Sektfrühstück. Jetzt wird's wahr. Ich komme heim. Am Ortsschild stoppe ich zum Fotografieren. Zu viert drehen wir eine Ehrenrunde durch Altheim. Pünktlich treffe ich in unserer schönen Martinskirche ein. Vor dem Kirchplatz begrüße ich meine Familie, Freunde, Bekannte und viele Altheimer. Ein aufregender Moment in meinem Leben. Die Wiedersehensfreude ist groß. Aus den Kindern sind große Teenager geworden. Da kann ich nur Staunen. Um 9.15 Uhr beginnt der Gottesdienst. Pfarrer Walter Stegmann gibt mir die Gelegenheit eine kurze "Predigt" zu halten.

Anschließend finden sich, auf die Einladung des Radfahrervereins Altheim/Waldhausen, viele Gäste vor dem Martinshaus ein. Bürgermeister Norbert Wäscher heißt mich, mit einem Blumenstrauß, herzlich Willkommen. Bürger der Gemeinde Altheim, auswärtige Gäste, Familie, ehemalige Arbeitskolleginnen und Freunde sind gekommen, um mit mir meine gesunde und wohlbehaltene Heimkehr zu feiern. Der Frühschoppen dehnt sich bei super Sonnenschein, in lockerer Atmosphäre, bis zum Nachmittagskaffee aus…

An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei dem Radfahrerverein, für ihren großartigen Einsatz und gute Bewirtung!!! Ebenso möchte ich mich bei all meinen Gästen bedanken, die durch ihre Teilnahme dazu beigetragen haben, meine Ankunft in diesem wunderbaren Rahmen zu feiern.

Nicht zu vergessen, danke ich all meinen Sponsoren, Spender, Helfer und meiner Familie, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, und mich vor und während meiner Bikeworldtour gerne unterstützt haben. Denn trotz einfachster Lebensweise & kostengünstige Länder, hätten allein meine Ersparnisse nicht ausgereicht. Ohne eure Unterstützung wäre es mir nicht möglich gewesen, meinen Lebenstraum zu erfüllen!

Somit kann ich auf eine geglückte und unvergessliche Weltreise zurück schauen:
7 Jahre - eine lange Zeit. Mit Gottvertrauen radelte ich um die halbe Weltkugel. Als Frau allein mit dem Fahrrad, besuchte ich drei Kontinente und durchquerte 22 Länder mit den unterschiedlichsten Religionen. Über diese Zeit habe ich fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Ich erlebte die Einheimischen in allen Ländern freundlich, hilfsbereit und sehr gastfreundschaftlich. Natürlich mit der Voraussetzung, ich respektierte ihre Bräuche und Sitten. All die Jahre habe ich es nicht unterlassen, den lieben Gott mit auf die Reise zu nehmen. Tauchten Schwierigkeiten, Hindernisse oder Unsicherheiten auf, fing ich zuerst an zu beten. Geholfen hat es immer. Wie eine unsichtbare Mauer spürte ich die schützende Macht von oben.

Gottes Schutz und Führung erlebte ich besonders:
Dez. 2004: Tsunami: Wäre es nach meinem ursprünglichem Zeitplan gegangen, hätte mich in Indonesien diese verheerende Flutkatastrophe getroffen. Aber so befand ich mich in der Wüste Thar in Rajasthan.

Juni 2005: In Tibet brach ein Damm. Der Sutlej stieg an und überschwemmte in Indien die Region Himachal Pradesh. Nur wenige Stunden vorher, befand ich mich noch auf dieser Straße, die weggeschwemmt wurde. Mit dem Hubschrauber wurden wir später evakuiert....

Nov. 2005: Indien in Delhi: Von 4 gelegten Bomben explodierte eine nur 50 m von meinem Standort entfernt.

Okt. 2007: In Myanmar (ehem. Burma) demonstrieren friedliche Mönche. Die Militärregierung überfällt Klöster, verhaftet Mönche, misshandelt und tötet sie. Die Stimmung ist äußerst bedrückend....

Auch entkam ich in anderen Ländern, politischen Unruhen und gewaltigen Naturkatastrophen, weil ich rechtzeitig ausgereist war. Als keine Selbstverständlichkeit betrachte ich meine gesunde Heimkehr. Ich bin überzeugt, dass durch die Begleitung aller göttlichen Himmelsboten und Schutzengel, sowie durch die Gebete und Gedanken meiner Mitmenschen, meine 7-jährige Bikeworldtour, ohne schwere Vorkommnisse verlaufen ist. Auch vor ernsten Erkrankungen blieb ich verschont.

Was ich als Botschaft gerne weiter geben möchte, ist Gott in den täglichen Alltag mit einzubeziehen. Der liebe Gott steht über uns alle, und hilft, wenn wir ihn nur darum bitten und Gott Vertrauen haben. Jedenfalls habe ich diese wunderbare Erfahrung immer wieder gemacht.

Insgesamt bin ich 2410 Kilometer von London bis Altheim, ohne eine Panne, ohne einen Platten geradelt - davon in Deutschland 1888 Kilometer. Mein Pushbike "Shanti" ist von Anfang an ein treuer und zuverlässiger Reisebegleiter gewesen (Abgesehen, dass 50 km vom Abfahrtstag fehlen, weil das erste gesponserte Fahrrad, gleich nach Tourstart zu Bruch ging!). Inzwischen, mit internationalem Zubehör ausgestattet, hat dieses Fahrrad bei mir einen sehr hohen Stellenwert gewonnen. Selbst nach 44 561 Kilometern, auf teilweise übelsten Straßen, mit bis zu 100 kg Gewicht plus mein Eigengewicht, läuft "Shanti" weiterhin prima und ist mir sehr ans Herz gewachsen. Selbstverständlich werde ich es in Ehren halten.

Nach 2594 Tagen, freue ich mich wieder wohlbehalten, im Kreise meiner Familie, zurückgekehrt zu sein!!! In den sieben Jahren gab es auch in der Familie traurige und freudige Ereignisse. Der schmerzliche Verlust von Onkel Franz (+2004), Tante Hilde (+2005) und Oma (+2007) kommt mir bis heute unwirklich vor. Aber dafür lernte ich Jonas (*2004), David (*2006) und Michael (*2009), die Buben von meiner Cousine Manuela und ihrem Mann Oliver persönlich kennen.

Jetzt genieße ich in aller Ruhe mein Zuhause. In vertrauter Umgebung, verarbeite ich die vielen Eindrücke und Erlebnisse meiner langen Reise. Mit jedem Tag fühle ich mich heimischer.

Dahoim isch halt dahoim !!!


Wie geht es jetzt weiter
Am Ende meiner Bikeworldtour angekommen, beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt! Dank der Rückendeckung meiner Eltern, bin ich in meine frühere Wohnung eingezogen und habe somit ein sicheres Dach über den Kopf. Welchen Weg ich beruflich einschlagen werde, muss ich auf mich zukommen lassen. Auf jeden Fall bin ich zuversichtlich und überzeugt, dass ich mit Gottes Hilfe die richtige Arbeit finden werde. Auch über die Wiedereingliederung mache ich mir vorerst keine Sorgen. Denn eines habe ich gelernt: In der Ruhe liegt die Kraft. Kommt Zeit, kommt Rat...

Wie es in Zukunft mit meinem Projekt Bikeworldtour weitergeht, steht noch offen. Ideen existieren in meinem Kopf, meine positive Erfahrungen als Alleinreisende Frau, an Interessierten, nahe zu bringen. Aber diese Pläne (Buch, Diavorträge…) zu verwirklichen, benötigt natürlich geeignete Utensilien, entsprechende Kontakte und gewisse Zeit. Denn X-tausende Reiseberichte plus 15 000 Dias wollen erst gesichtet und verarbeitet werden.

Meine Homepage bleibt weiterhin bestehen. Neuigkeiten werden über diesen Weg bekannt gegeben. Wer mit mir in Kontakt treten möchte, kann dies wie bisher per Email oder über einen Gästebucheintrag tun.

Abschließend bedanke ich mich nochmals ganz herzlich bei allen Leser/innen und Fans von Bikeworldtour für eure langjährige Treue.

"Der Herr selbst geht vor dir her. Er steht dir zur Seite und verlässt dich nicht. Immer hält er zu dir. Hab keine Angst, und lass dich von niemandem einschüchtern!" (5. Mose 31,8) Dieser Bibelvers bewahrheitete sich, seit Beginn meiner langen Reise bis zum heutigen Tag!!

E N D E

 

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Tagebuch Juni 2009